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Freitag, 28. August 2009

Hartz4 ist unmenschlich...

Ein Schreiben an Egon W. Kreutzer das ALLES sagt !!!






hallo, egon!

ich scrolle gerade mal wieder durch diese ganzen hiobsmeldungen (Anm.: die Arbeitsplatzvernichtungsstatistik) mein neffe schrieb mir heute, dass die firma xxx in xxx 30 leute entlässt, inklusive seinereiner. er hat dort seine ausbildung gemacht und wurde dann übernommen. nun darf er doch gehen. mich macht es immer fassungsloser, dass täglich menschen ihren job verlieren. und da es doch fast schon eine binsenweisheit ist, rutschen viele dann auch in hartz4. tja. alle selber schuld? zu blöde zum jobsuchen?

ich habe es aufgegeben, kamen ja nicht mal mehr antworten zurück. bin nun auch seit ende jan. 2008 krankgeschrieben, musste zwischendurch umziehen in eine winzigbude und bin ganz ehrlich… ich würde mich am liebsten ganz aus diesem wahnsinn ausklinken. ich kann einfach nicht mehr. meine glückspillen helfen mir, gelassen zu bleiben….vielleicht auch gleichgültig? egal… nur keinen weiteren stress.

dieses gegängel, geschiebe und eingenorde in irgendwelche arbeitsmarktpolitischen massnahmen empfinde ich als unwürdig, mir wird geradezu physisch davon übel. ich betrachte mit angewidertem staunen, wie sich hier die leute um diese ausbeute-jobs reissen… sehr arm, wenn man nichts mehr mit sich anfangen kann. mit solchen leuten kann man auch keinen gemeinsamen widerstand auf die beine stellen. leider. man kann sich nur eine nische suchen, sich verbergen, verstecken, warten, dass der trubel an einem vorüberzieht. und hoffen, dass sie einen nicht gleich entdecken und mit wohltaten in form unnützer massnahmen eindecken. ich hasse das wort massnahme wie die pest… es ist ein gruseliges wort geworden.

apropos… das buch“im dschungel der massnahmen“ hab ich mir auch gekauft. aber ich bin nicht in der lage, es hintereinanderweg zu lesen. es jagt mir angst und schrecken ein. wie so manch andere themenbezogene bücher auch. bin dünnhäutig geworden.

meine alten kolleginnen vom letzten arbeitsplatz machen nun auch kurzarbeit. da hiess es auch: gudrun, was machst du denn den ganzen tag so ohne arbeit? nun, ich mache das, wozu ich MIT arbeit nie zeit hatte. ach, du strickst?? na dann. ich muss gestehen, irgendwie fühle ich so ein winzigbisschen schadenfreude… die merken das eiskalte händchen nun auch in ihren nacken.
meine mama ist ja nach wie vor der meinung, wer arbeiten will…. blahblahblah... sie ist 69. hab ihr gesagt, sei froh, dass du es nicht mehr beweisen musst. und arbeit kannste an jeder ecke haben, musst dich nur feste genug ranhalten. aber leben kannste davon nicht. und DAS wäre MIR sehr wichtig.

ich bin so unendlich müde. habe immer öfter das gefühl, in einer endlos-alptraum-schleife festzuhängen…ohne ausweg zum erwachen.

lieber gruss

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Im alten Rom hat ein Senator vorgeschlagen, man sollte alle Sklaven mit einem weissen Armband versehen, um sie besser erkennen zu können. "Nein", sagte ein weiser Senator, "Wenn sie sehen wie viele sie sind, dann gibt es einen Aufstand gegen uns.

Vor dem Aufstand fürchten sie sich bei uns nicht so sehr,

aber dass die Wahlen anders ausgingen, wenn das Prekariat erkennen könnte, wie groß es geworden ist, das fürchten sie sehr wohl.

Wahltag ist Zahltag.
An diesem Sonntag in einigen Ländern, in vier Wochen in der ganzen Republik.